Interessengemeinschaften Kritische Bioethik Deutschland

PRESSEMITTEILUNG

Tag der Organspende: Kritiker fordern umfassende und ehrliche Aufklärung über Organspende

München, 1. Juni 2006 - Anlässlich des Tags der Organspende am 3. Juni hat die InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland die bisherige Praxis der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kritisiert und eine offene, unvoreingenommene und umfassende Aufklärung über die Vorgänge bei einer Organentnahme gefordert. Die bisherige Darstellung sei einseitig und fachlich fragwürdig. Insbesondere bezüglich des Hirntodes und der Hirntodfeststellung zwecks Organentnahme werden nach Ansicht der Kritiker unpassende Fakten ausgeblendet und verschwiegen. Nur wenn potentielle Spender auch über die andere Seite der Transplantationsmedizin informiert werden, sei eine bewusste Entscheidung für oder gegen eine Organspende möglich.

Das Hirntodkriterium als "Todesfeststellung", um "frische" Organe entnehmen zu können, sei aus zwei Gründen unakzeptabel und ungeeignet, so Christian Frodl, Sprecher der InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland. Denn nach Auffassung der Initiative und auch zahlreicher kritischer Forscher ist der Hirntod nicht der Tod des Menschen, sondern ein unumkehrbarer Prozess im Sterben, der durch die Transplantation unterbrochen wird und mit einem Sterben in Würde unvereinbar ist. Denn bei Hirntoten gebe es viele Lebenszeichen: So funktioniert z.B. das Herz-Kreislauf-System weiterhin bei künstlicher Beatmung, es sind noch Bewegungen möglich, einige schwangere Frauen im Hirnversagen konnten ihre Kinder austragen und auf den Einschnitt bei der Organentnahme reagieren viele Hirntote mit ansteigendem Blutdruck.

Zudem sei das Hirntodkriterium als "Todesfeststellung" unzuverlässig. Dies bestätige erneut der aktuelle Beitrag "Stiftung in der Kritik" im Deutschen Ärzteblatt Jg. 103, Heft 19 vom12. Mai 2006 zur Problematik einer schnellen Hirntodfeststellung zwecks Organentnahme. Dort heißt es wörtlich: " Nicht selten werde zudem der Hirntod von Ärzten in kleineren Krankenhäusern, aber auch in Unikliniken fälschlicherweise vermutet oder nicht exakt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt. Das DSO-Team aus Niedersachsen etwa habe bei knapp 50 Untersuchungen 21-mal den Hirntod nicht sichern können, so Hermann Deutschmann", Neurologe und ehemaliger Leiter des mobilen Konsiliarteams der Region Nord unter Berufung auf eine interne Studie über die DSO-Regionen Mitte und Nord-Ost. Damit sei für Frodl klar, dass die DSO wider besseren Wissens mit falschen Aussagen für die Organspende wirbt.

Auch Wissenschaftler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in Rom kamen Anfang Februar 2005 in ihrer Stellungnahme "Brain death is not death" zu dem Schluß, dass man das vollständige Hirnversagen nicht feststellen kann und dass der Hirntod nicht der Tod des Menschen ist. "Hier sollten sich insbesondere katholische Kirchenvertreter ein Beispiel nehmen und die von ihnen propagierte Position zur Organspende als "Akt der Nächstenliebe" überdenken", so Frodl.

Um den einseitigen Informationen von Organspende-Befürwortern wie der DSO und der BZgA entgegenzutreten, stellt die InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland auf ihrem Internetportal unter www.organspende-aufklaerung.de kritische Informationen zur Organspende, Transplantation und zum Hirntod zur Verfügung. Dort gibt es kostenlos zahlreiche Dokumente und Texte, News, einen wöchentlich aktualisierten Pressespiegel, Literaturhinweise, Adressen und Links. Denn nur wer von beiden Seiten informiert ist, kann eine bewusste Entscheidung für oder gegen eine Organspende treffen. Wer sich für Letzteres entscheidet, kann sich dort einen eigenen Nicht-Organspenderausweis runterladen und ausdrucken.

Weitere Informationen:

Infoportal der InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland zur Organspende / Transplantation / Hirntod unter www.organspende-aufklaerung.de

Pressemitteilung im RTF-Format

Zusatzinfos zu zitierten Quellen:

"Brain Death" is Not Death!
Essay - At a meeting of the Pontifical Academy of Sciences in early February 2005
By Paul A. Byrne, Cicero G. Coimbra, Robert Spaemann, and Mercedes Arzú Wilson

Der "Hirntod" ist nicht der Tod!
Deutsche Übersetzung des Aufsatzes von einer Tagung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften Anfang Februar 2005

Beide Dokumente sind abrufbar unter http://www.organspende-aufklaerung.de/organspende_downloads_transplantation.html

Organspenden: Stiftung in der Kritik
Blöß, Timo
Deutsches Ärzteblatt 103, Ausgabe 19 vom 12.05.2006, Seite A-1268

PDF Nicht-Organspendeausweis der IG Kritische Bioethik Deutschland
Zwei Ausweise auf einem Blatt (201kb)

Pressekontakt:

InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland
c/o Christian Frodl
Radolfzeller Str. 42
81243 München

Tel.: 089 / 83 77 55
E-Mail: webmaster@kritischebioethik.de